Die 70. BetonTage in Ulm geben einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsaussichten der Betonbranche. So zeigt das Podium „Vorfertigung – Die Zukunft des Bauens“ am 10. März 2026, welche Ansätze und Lösungen die Betonfertigteilbauweise für ein klimafreundlicheres, wirtschaftliches und architektonisch anspruchsvolles Bauen bietet. Das Programm wurde mit der Fachvereinigung Deutscher Betonfertigteilbau e. V. (FDB) konzipiert.
Dr.-Ing. Matthias Hillebrand, BREMER SE, und Sarah-Maria Haug, Haug Plan GmbH, beleuchten zum Auftakt die Optimierung verschiedener Deckensystemen aus Fertigteilen und ordnen die CO₂-Äquivalente für Beton nach der DAfStb-THG-Richtlinie („Treibhausgasreduzierte Tragwerke“) in den Gesamtprojektkontext ein. Der Vortrag macht deutlich, dass Fertigteillösungen einen messbaren Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen leisten können.
Sven Wittköpper, nesseler bau gmbh, berichtet über die Fertigung der Carbonbeton-Sandwichelementen für die Fassade des neuen Bürogebäudes des Unternehmens. Die Leistungsfähigkeit textilbewehrter Betone bietet ein enormes Potenzial, um die Ressourceneffizienz und Langlebigkeit im Betonbau entscheidend zu steigern.
Mit Blick auf den regulatorischen Rahmen erläutert Mathias Tillmann von der Fachvereinigung Deutscher Betonfertigteilbau e. V., die neuen Produktnormen sowie das aktualisierte WPK-Musterhandbuch für Betonfertigteile der FDB. Beides sind wichtige Instrumente für die Regelkonformität und Qualitätssicherung in der Branche.
Die Beiträge von Martin Risse, RWTH Aachen, und Timo Gließner, J. Lehde GmbH, zeigen, wie Recyclingbeton (RC-Beton) unter Berücksichtigung von Rohstoffverfügbarkeit, Qualitätssicherung und Rezepturoptimierung erfolgreich im Fertigteilwerk eingesetzt werden kann. Das Unternehmen gehört zu den wenigen Stahlbetonfertigteilherstellern, die dafür bereits zertifiziert wurden. RC-Beton senkt den Bedarf an Primärrohstoffen, die CO₂-Emissionen und Transportaufwände.
Eine weitere innovative Lösung zur Schonung natürlicher Ressourcen präsentieren Sebastian Koch, Fertigbau Lindenberg, OTTO QUAST GmbH & Co. KG, und Wolfgang Büscher, Betonwerk Büscher GmbH & Co. KG. Ihr Produkt ECOELEMENT, ein RC-Betonfertigteil aus 100 % Natursteinersatz durch aufbereitetes Abbruchmaterial, markiert einen signifikanten technologischen Sprung, da hier die Grenzen der bestehenden Normen überwunden wurden. Bis zu 23 % weniger CO2 können dadurch im Vergleich zu einer normalen Stahlbetonwand eingespart werden.
Dass mit vorfertigten Betonbauteilen anspruchsvolle, nachhaltige Bauwerke realisiert werden können, demonstrieren zum Abschluss zwei weitere Projektberichte. Jens Geffert, HERING Bau GmbH & Co. KG stellt das Greenhouse in Bonn vor. Die Architekturbetonfassaden des Bürogebäudes wurden als Sandwichkonstruktion realisiert, bei der sowohl die tragende Betonschale als auch die Vorsatzschale aus Recyclingbeton bestehen. Marcel Keilholz, HABAU Deutschland GmbH, berichtet über die Herausforderungen beim Wiederaufbau der Glockentürme der St. Johannis-Kirche in Ellrich. Hier galt es historische Substanz mit moderner Betontechnik zu verbinden und die Originaloptik wiederherzustellen.
Alle Podiumsbeiträge aus Industrie, Planung, Ausführung und Normung machen deutlich: Vorfertigung verbindet Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Bauqualität – und ist damit ein Schlüssel für die Transformation der Betonbauweise.
Bild: HERING Bau GmbH & Co. KG


